Geh Spazieren und nimm Dir keine Strecke vor

Diese Übung hat den Sinn zu lernen, dass es sich lohnen kann, mal so gar nicht mit dem Kopf zu denken, sondern einfach „den Bauch“ machen zu lassen. Aus meiner Sicht lässt sich das bei einem Spaziergang ganz prima üben und erkennen.

Geh Spazieren und nimm Dir keine Strecke vor 1
Sonne

Dazu eine kurze Geschichte von mir und meiner „Sonne“.
Sonne war mein liebstes Pferdle auf dieser Erde. Sie hat mich 24 Jahre meines Lebens begleitet. Mit Sonne habe ich so einiges an Abenteuern erlebt.
Da wir zwei uns in unserem Einzugsgebiet schnell sehr gut ausgekannt haben, wurde es mir schnell langweilig immer nur auf bekannten Wegen zu reiten. Mit Sonne bin ich also regelmäßig quer Feld ein geritten. Wir sind durch den Wald einfach der Nase nach.
Häufig bin ich dann an Orten gestanden und hatte keine Ahnung mehr, wie ich nach Hause kommen würde. Ich wusste aber: Sonne findet IMMER nach Hause. Tiere haben diesen unbeirrbaren Instinkt und wissen immer in welcher Richtung das zu Hause ist. Allein das fand ich schon immer faszinierend. Wenn ich also beschloss, dass es jetzt Zeit ist nach Hause zu reiten, dann hab ich Sonne laufen lassen. Ich hab sie den Weg nach Hause wählen lassen. Und ich kann Dir sagen: es war immer der kürzeste! Da muss ich also nicht erwähnen, dass wir regelmäßig an steilen Abhängen standen oder gar mitten im Wald und erst Mal schauen mussten, wie wir weiter kommen.

Diese Ausritte waren die schönsten, weil wir tolles erlebt haben, wunderbare Orte erkunden durften und viele Situationen gemeistert haben. Das macht stark!

Wir zwei waren völlig frei und konnten sicher sein, immer wieder nach Hause zu kommen. Ich habe diese Fähigkeit immer bewundert, dass dieser innere Kompass bei Pferden, bei allen Tieren, so genau funktioniert.

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Das war meine wunderbare Lilly. Sie wurde fast 14 Jahre alt.

Mit meiner Hündin Lilly, die dann 2006 in mein Leben kam war ich dann natürlich zusätzlich zu Fuß unterwegs. Auch zu Fuß bin ich gerne nicht vorhandene Wege gegangen. Ich erinnere mich an einen Spaziergang bei dem wir quer durch den Wald gelaufen sind. Ich sage gleich dazu, dass Lilly hervorragend erzogen war und auf’s Wort gehört hat. Sie war also nie eine Gefahr für Wildtiere! Denn darauf sollte man –wer einen Hund hat – achten. Wessen Hund nicht auf’s Wört hört, der muss im Wald unbedingt an der Leine bleiben. Vor allem zu den Tageszeiten in denen das Wild unterwegs ist.
Wir zwei sind also durch den Wald gelaufen und dann an einer faszinierenden Felsformation raus gekommen. Dieser Ort war irgendwie magisch. Wir sind dann beide diese Felsen nach oben geklettert und dann noch ein Stück aus dem Wald raus gelaufen. Raus gekommen sind wir dann auf einer traumhaft schönen wilden Wiese. Alte Bäume standen vereinzelt da und die Stimmung war so was von friedlich und schön. Auch das war einer meiner wunderschönen Spaziergänge „frei Schnauze“. Dort wären wir nie und nimmer gelandet, wenn wir einfach den Wegen gefolgt wären.

Ein ander Mal bin ich mit einem Freund spazieren gewesen (Lilly natürlich dabei). Für den Rückweg hatten wir 2 Optionen: Entlang der Hauptstraße oder denselben Weg zurück. Langweilig. Da ich darin geübt war „andere Wege“ zu finden, fand ich einen. Dieser Weg bestand für mich „im Fluss“. Da floss nämlich ein kleiner Fluss – wie wir wussten zurück bis zum Parkplatz. Wir haben also die Schuhe ausgezogen und sind in den Fluss gestiegen. Frag nicht, wie anstrengend dieser Rückweg war! Aber er war auch genau so genial! Wir mussten uns über und unter Ästen und umgefallenen Bäumen durch kämpfen, irgendwie um die sehr tiefen Stellen rum kommen und aufpassen nicht auszurutschen. Es war anstrengend aber auch jetzt, Jahre später erinnere ich mich gerne an diesen verrückten Rückweg. Mir ist wichtig, dass man die Natur achtet und nicht zerstört. Also bei allem quer-Feld-ein, sollte man sich immer dessen bewusst sein, dass man achtet. Auf Pflanzen und Tiere! In Wald und Wiesen sind wir Menschen Gast.

Was habe ich aus all diesen Ausritten und Spaziergängen gelernt?

Ich habe 1. Gelernt, dass es total spannend ist, wenn man spontan entscheidet und nicht die ausgetretenen Wege geht, sondern eigene. Neue Wege.

2. ich habe eine andere Wahrnehmung für mögliche Wege und damit mehrere Alternativen entwickelt.

3. das sind die schönsten Erinnerungen, auch noch Jahre später. Es lohnt sich also ein „Risiko“ einzugehen.

4. wir haben traumhafte Orte in der Natur entdeckt, die völlig unberührt waren. Wir konnten uns einfügen und einfach genießen. Das war Urlaub für Körper, Geist und Seele bei jeder Tour.

5. habe ich dieses tiefe Vertrauen zu Sonne gehabt, dass wir zwei immer gesund nach Hause finden. Wir hatten eine sehr tiefe und innige Verbindung und wussten wir können uns aufeinander verlassen. Dieses Vertrauen war bei den Aktionen die wir gebracht haben unerlässlich. Das hat mir auch dieses Vertrauen gegeben, dass da ein Instinkt, eine Intuition ist, auf die man sich wirklich verlassen kann. Und die können auch wir Menschen lernen und nutzen.

Übertrage frei-Schnauze-Spaziergänge auf Entscheidungen

Jetzt will ich doch noch diese Art von Spaziergängen auf unser Leben und unsere Entscheidungen (siehe Übung 2) übertragen. Wir werden durch Medien, durch Freunde, durch Straßen, vorgegebene Bildungswege usw. angeleitet. Es erscheint leicht und klar diesen vorgefertigten Wegen zu folgen.

So ist es auch beim Spazierengehen. Wie leicht ist es doch einfach dem geschotterten Weg zu folgen?
Viel cooler wird es jedoch, wenn wir einen anderen Weg einschlagen. Einen, den sonst niemand sieht. Wenn wir eine Entscheidung treffen und etwas neues ausprobieren, das sonst niemand macht! Wenn wir nicht den klassischen Weg Schule, Studium/Ausbildung, Arbeiten im selben Job und dann in Rente gehen wählen.

Überleg mal welche Menschen inspirierend sind. Welche Menschen interessant sind. Das sind meist die Menschen, die es anders gemacht haben. Menschen, die ihren eigenen Weg gegangen sind.
Und das ist es auch, das wir meiner Meinung nach alle tun sollten.
Jeder von uns ist einzigartig und daher sollte auch jeder von uns seinen einzigartigen Weg gehen! Dieser Weg sollte immer in Respekt, Achtung, Dankbarkeit und auch Demut vor der Natur gegangen werden. Denn nicht wir als Mensch sind das mächtigste Wesen, sondern die Natur ist das mächtigste das wir auf dieser Welt haben. Das macht uns jedes Unwetter, jeder heiße Sommertag sehr deutlich klar.
Trau Dich also, auch in Deinem Leben Deinen Weg zu gehen. Trau Dich, Deiner Natur zu folgen! Und mach es bitte leicht. Nimm es nicht so ernst! Das Leben kann ein Spiel sein und Du bestimmst deine Spielzüge! Und ich kann Dir aus Erfahrung sagen: wir haben ziemlich viele Joker und Asse im Ärmel! Also trau Dich!
Wenn Du denkst „Ja klar, das sagt sie jetzt so leicht“ oder sofort zig Gründe hast, weshalb Du das nicht machen kannst oder willst, dann sag ich Dir:

„Tu doch einfach mal so, also ob es gehen würde.“

So rein hypothetisch und erlaube Dir darüber nachzudenken. Spiel gedanklich mal nen anderen Weg durch. Und wenn Du an den Punkt kommst „nein, das geht nicht“, dann spiel gedanklich weiter und tu wieder so, als ob es doch gehen würde.
Übe dann zumindest in Gedanken andere Wege zu gehen und ich bin mir sicher Du wirst ganz interessante Erkenntnisse daraus ziehen J

Habe ich Dich ein wenig inspirieren können, einmal eigene Wege zu gehen, die nicht sofort zu sehen sind?
Ich hoffe, Du wagst es auch mal und erzählst mir dann von Deinem Frei-Schnauze-Spaziergang.

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