Kommunikationsprobleme mit Hilfe des Bauchgefühls lösen. 3 Konkrete Beispiele.

Kommunikationsprobleme

Kommunikationsprobleme sind ein häufiges Alltagsproblem. In der vierten Übung zum Erlenen von Intuition habe ich speziell für Eltern das Ziel, sie darin zu ermuntern und zu bestärken auf ihr Bauchgefühl in Bezug auf die Kinder zu achten.

Das gilt jedoch nicht nur für Eltern, sondern für uns alle wenn es um Fragen, Entscheidungen, Kommunikation für oder mit anderen geht. Dann, wenn es um Kommunikationsprobleme geht. Schließlich haben wir Freunde, Familie, Kollegen, Partner usw. mit denen wir ständig Situationen erleben, in denen wir unser Bauchgefühl sinnvoll nutzen können – auch gerade dann, wenn es um Kommunikation geht.

Ich mache mal ein einfaches Beispiel für Kommunikationsprobleme, das sicher jeder von uns kennt:

Du fragst Dein Gegenüber „ist alles in Ordnung?“. Die Antwort kommt prompt: „Ja.“. Dein Gefühlt sagt Dir aber: „Nope, da ist gar nichts in Ordnung!“ und gleichzeitig kommt die Frage in Dir hoch „warum sagt sie/er dann es sei so?“. Spätestens, wenn er/sie dann den Raum verlässt und die Türe hinter sich zu knallt, weißt Du sicher, dass Dein Bauchgefühl Recht hat und nicht das richtig ist, was Dir gesagt wurde. Typisches Kommunikationsproblem.

Ein weiteres Beispiel in einem anderen Kontext:

Du gehst in ein Geschäft, um etwas zu kaufen. Es gibt eine größere Auswahl an Produkten und Du hast noch keinen Favoriten. Daher lässt Du Dich von einem Verkäufer beraten. In meinem Beispiel gehe ich jetzt davon aus, dass das ein sehr gut geschulter Verkäufer ist und Dir das ein Produkt richtig „schmackhaft“ macht. Ich bin mal so gemein, um es möglichst plakativ zu machen und sage, er macht Dir das teuerste Produkt so richtig schmackhaft.
Dein Impuls ist also, das Produkt zu kaufen. Jetzt spiele ich schon mal auf die Königsdisziplin in der bewussten Nutzung unserer Intuition an: nämlich zu unterscheiden, was ist MEIN echtes Bauchgefühl und was ist „produziert“ durch den Verkäufer? Denn genau dann ist es unglaublich hilfreich, wenn man seine Intuition bewusst nutzen kann. Wie kannst Du also vorgehen?
Du kannst Dir in solchen Situationen angewöhnen, Dich freundlich zu bedanken und klar zu sagen, dass Du Dir das nochmal alleine anschauen willst. Wenn Du allein bist, atme ein paar Mal tief durch und konzentriere Dich auf Dich. Wenn Du magst und es sich in der Situation gut ergibt, dann empfehle ich Dir sogar die Augen zu zu machen. Denn das hilft, sich besser auf sich selbst zu konzentrieren. Dann fühl in Dich hinein mit der Frage „welches Produkt ist für meinen Anwendungszweck/mein Ziel das beste?“. Entweder, lass die Augen zu und achte auf das erste Produkt, das Dir in den Sinn kommt oder achte drauf, zu welchem Produkt es Dich spontan „hin zieht“. Dann kannst Du immer noch zu diesem Produkt nähere Info’s einholen.

Nochmal ein Beispiel, dieses Mal in einer Gruppe von Freunden. Hier geht es wieder um Kommunikationsprobleme:

Du bist zu Besuch bei Freunden und Dein Telefon klingelt. Du unterbrichst das Gespräch mit Deinen Freunden, entschuldigst Dich und gehst an’s Telefon. Während Du telefonierst, bekommst Du das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Dieses „irgendetwas-stimmt-nicht-Gefühl“ ist wichtig, weil das die Art und Weise ist, wie unser Bauchgefühl, unsere Intuition mit uns „spricht“. Diese Art von sehr leiser, nicht hörbarerer Sprache können wir lernen.
Was könnte es nun sein, das „irgendwie nicht stimmt“? Du beendest das Telefonat und kehrst zu Deinen Freunden zurück. Das Gefühl ist immer noch da. Du kannst jetzt folgendes tun:

  1. Das Gefühl ignorieren und als unwichtig abtun
  2. Versuchen durch Beobachten heraus zu bekommen, was denn nicht stimmt und auch hier wieder auf Dein Gefühl zu achten.
  3. Deine Freunde fragen, ob es sie z.B. gestört hat, dass Du das Gespräch einfach für ein Telefonat verlassen hast, obwohl gerade alle einen schönen Austausch hatten.

Version 1 empfehle ich Dir natürlich nicht. Die zweite Möglichkeit ist eine gute, um über das eigene Gefühl weiter zu „recherchieren“. Hast Du das Gefühl, dass dieses „irgend-etwas-stimmt-nicht“ nur eine Person betrifft? Oder betrifft es die ganze Gruppe? Wenn Du meinst, es betrifft eine Person, dann kannst Du hier weiter „nach fühlen“ und/oder dann direkt in ein Gespräch gehen.
Z.B.: „Anni sag mal, mein Telefonat eben – ich habe, seit ich an’s Telefon gegangen bin das Gefühl, dass etwas nicht Ordnung ist. Meinst Du das auch? Ist bei Dir alles ok?“
Jetzt nehmen wir mal an, sie sagt Dir direkt, „ja, tatsächlich. Das hat mich eben an … erinnert“ oder sonst was. Sie wird sich auf jeden innerlich freuen, dass Du so aufmerksam warst.
Jetzt nehmen wir mal an sie sagt „Bei mir ist alles ok. Weiß nicht, was Du meinst.“
Dein Bauchgefühl meldet aber „hm, ne, da ist nicht alles in Ordnung, sie sagt es zwar aber es stimmt nicht“. Dann kannst Du wieder auf Dein Gefühl achten und entscheiden, ob Du in dieser Runde weiter fragst, sie in Ruhe lässt oder das Gespräch in etwas intimerer Runde fortsetzt. Du weißt ja nicht, was genau jetzt dahinter steckt. Das ist so ähnlich wie im aller ersten Beispiel.

Mit diesem Beispiel möchte ich Dir verdeutlichen, dass das was wir hören, sehen und riechen zwar „da“ ist aber es muss nicht zwingend „richtig“ sein. Kommunikationsprobleme entstehen immer dann, wenn wir nicht unterscheiden können, was richtig, wahr, passend oder falsch, vielleicht sogar eine Lüge ist.
Damit jetzt hier keine echten Kommunikationsprobleme auftauchen brauchen wir unser Bauchgefühl. Unsere Intuition unsere höhere Intelligenz. Diese höhere Intelligenz ist es auch, die uns Empathie, Einfühlungsvermögen, soziale Intelligenz gibt.
Je besser wir diese höhere Intelligenz nutzen, umso besser werden wir im Umgang und der Kommunikation mit anderen Menschen. Ganz gleich, ob das ein Kind oder ein Erwachsener ist.
Kommunikationsprobleme lassen sich übrigens durch das Sprechen über Gefühle gut lösen. Situationen so zu klären kann z.B. so aussehen:
Statt zum Partner „Du bist unmöglich“ zu sagen, denn damit kann der andere ehrlicherweise wenig anfangen außer sich zu ärgern. Sagt man statt dessen „wenn Du das machst, dann verletzt mich das. Das tut mir richtig weh.“ Das ist eine ganz andere Art von Sprache. Wenn wir lernen das zu sagen, was es mit uns macht, was wir fühlen, dann verstehen uns andere besser. Denn ehrlicherweise ist das Problem im Normalfall nicht unser Gegenüber, sondern das, was in uns an Gefühlen ausgelöst wird. Es liegt also – ich will mal sagen immer – an bzw. in uns.

Kommunikationsprobleme entstehen dadurch, dass wir nicht klar das kommunizieren, was uns wirklich bewegt. Und das was uns bewegt sind Gefühle.

Um Kommunikationsprobleme zu lösen ist es wichtig zu verstehen, dass es ein Außen und ein Innen gibt.

Das Außen ist sichtbar, greifbar, hörbar. Das Innen ist meist unsichtbar, unhörbar. Es ist ein Gefühl, ein Gedanke.
Es geht darum zu lernen, die Informationen von Außen mit denen im Innen zu kombinieren und bewusst wahrzunehmen. Diese Informationen können wir dann abwägen, ordnen, hinterfragen und wenn wir wollen auch kommunizieren.

Gerade im Umgang mit anderen ist es wichtig, dass wir viel stärker auf’s Gefühl achten. Mikroexpressionen gehören da übrigens auch dazu. Diese sind die einzigen mir bekannten Signale die wir optisch wahrnehmen können, wenn wir darin geschult sind. Denn die sogenannten Mikroexpressionen können wir nicht steuern. Sie entstehen automatisch in Verbindung mit einem Gefühl das wir haben und sind weltweit bei jedem Menschen gleich. Wenn man diese lernt, kann man sich auch sichtbar sein eigenes Bauchgefühl in Bezug auf einen anderen bestätigen. Das ist jedoch eine ganz eigene Wissenschaft. Paul Ekman ist „Vater“ dieser Wissenschaft, falls Dich das näher interessiert.

Ich hoffe, ich kann Dich mit diesem Beitrag ermuntern in Gesprächen und im Kontakt mit anderen stärker auf Dein Gefühl zu achten. Das achten auf Dein Gefühl und auch das Sprechen über Dein Gefühl wird es Dir leichter machen Kommunikationsprobleme zu lösen.

Hier gelangst Du nochmal zurück, zur Übung 2.

Leave a Comment!